Vorbild sein - wenn Hilfe annehmen Stärke zeigt
Shownotes
Vorbild sein - wenn Hilfe annehmen Stärke zeigt
Einblicke in die Suchtberatung
Sucht ist eine Erkrankung, die auch vor Erziehenden keinen Halt macht. Allerdings wird darüber kaum gesprochen und das ändern Nina Berger und Lea Tegenkamp in dieser Folge. Dazu sprechen sie mit zwei erfahrenen Kollegen aus der Suchtberatungsstelle des Kreises Borken. Zuhörende erhalten einen Blick hinter die Kulissen der Beratungstüren: Marco Krasenbrink und Dominik Kleine-Finke berichten aus ihrem Arbeitsalltag mit ganz unterschiedlichen Menschen und Themen. Unter dem Motto „Alles kann, nichts muss“ verdeutlichen die Experten, wie Unterstützung aussehen kann, die Raum lässt, statt Druck zu machen. Ein Gespräch, das informiert, einordnet und stärkt.
Die Inhalte dieser Folge in der Übersicht
- Vorstellung: M. Krasenbrink und D. Kleine-Finke, Suchtberatung Kreis Borken
- Wer in die Beratung kommt
- Themen und Anliegen der Ratsuchenden
- Entlastung durch Beratung
- Erziehende in der Beratung
- Schweigepflicht und was das konkret bedeutet
- Anlaufstellen, Kontaktdaten, Kostenfrei
Weiterführende Links
Weitere Sucht- und Drogenberatungsstellen im Kreis Borken:
- Sucht- und Drogenberatung Gronau, Diakonie WesT e.V.
- Suchtberatung, Caritasverband Ahaus-Vreden e.V.
- Sucht- und Drogenberatung, SkM Bocholt
- DigiSucht: suchtberatung.digital
Über Rauschgeflüster
„Rauschgeflüster“ ist ein Podcast, der sich vorrangig an Erziehende richtet. Diese Personengruppe spielt eine zentrale Rolle in der Suchtprävention, da sie frühzeitig und kontinuierlich positiv auf Kinder und Jugendliche einwirken kann.
Nina Berger und Lea Tegenkamp von der Fachstelle für Suchtvorbeugung des Kreises Borken nehmen die Hörenden mit in die Welt aktueller Konsumtrends. In lockeren Gesprächen teilen sie Fachwissen, Erfahrungen aus der Praxis und alltagsnahe Impulse. Dabei geht es sowohl um stoffgebundene Suchtmittel wie Alkohol und Cannabis als auch um Verhaltenssüchte wie z.B. exzessive Mediennutzung. Ziel ist es, Erziehende zu stärken und zu ermutigen, sich mit suchtbezogenen Themen auseinanderzusetzen und frühzeitig präventiv aktiv zu werden. Ein Podcast ganz ohne erhobenen Zeigefinger – dafür mit viel Verständnis, Offenheit und der Einladung zum Zuhören, Mitdenken und Austauschen. Für alle, die neugierig geblieben sind und mit jungen Menschen im Gespräch bleiben wollen.
Über die Fachstelle für Suchtvorbeugung des Kreises Borken
Die Fachstelle für Suchtvorbeugung ist Teil der Abteilung Psychosoziale Gesundheit und im Gesundheitsamt des Kreises Borken angesiedelt.
Suchtvorbeugung wird als ganzheitlich angelegter, interaktiver Prozess verstanden. Ziel ist die Vermittlung von Wissen zu verschiedenen Suchtstoffen und Verhaltenssüchten, um Menschen zu befähigen, ein gesundes und selbstbestimmtes Leben zu führen. Dafür steht ein breites Spektrum suchtpräventiver Maßnahmen zur Verfügung. Diese Maßnahmen werden von der Fachstelle unter anderem in Schulen, Kitas, Jugendhilfeeinrichtungen und Betrieben umgesetzt. Darüber hinaus werden Multiplikator:innen geschult, und es besteht die Möglichkeit, passgenaue Angebote und Aktionen für verschiedene Zielgruppen im gesamten Kreis Borken zu entwickeln. Weitere Informationen sind auf der Webseite unter „weiterführende Links“ zu finden.
Über diese Podcast-Produktion
Das Intro-Voice-Over des Podcast wurde eingesprochen von Ingo Notthoff, TON-EINS.
Kontaktmöglichkeit
Bei Fragen oder Anmerkungen schreiben Sie uns gerne eine E-Mail an suchtvorbeugung@kreis-borken.de
Bei Fragen und Anliegen an Dominik Kleine-Finke und Marco Krasenbrink, Suchtberatung des Kreises Borken, melden Sie sich wie folgt: Telefon: 02861 681 6013 (D. Kleine-Finke) / 02861 681 6014 (M. Krasenbrink) Mail: d.kleine-finke@kreis-borken.de / m.krasenbrink@kreis-borken.de
Transkript anzeigen
00:00:02: Rauschgeflüster.
00:00:06: Sucht, verstehen,
00:00:07: erkennen
00:00:07: und
00:00:08: vorbeugen!
00:00:14: Ein Glas Wein das eigentlich nur zum Entspannen gedacht war eine Zigarette für den Stressabbau Eine Pille die doch nur beim Einschlafen helfen soll Kleiner Alltagshelfer?
00:00:26: Was wenn ich plötzlich nicht mehr ohne kann?
00:00:29: was bekommen meine Kinder mit?
00:00:31: wie komme ich da wieder raus?
00:00:33: suchtes eine Erkrankung die auch Vorerziehenden keinen Halt macht.
00:00:37: Allerdings wird kaum darüber gesprochen und das wollen wir heute ändern.
00:00:42: Und damit herzlich willkommen zu Rausgeflüster, ich bin Nina Berger und bei mir ist meine Kollegin Lea Tegenkamp.
00:00:49: Wir gehören zur Fachstelle für Suchtvorbeugung des Kreisesborgen und begrüßen Sie herzlich zu dieser Folge!
00:00:54: Bei uns erhalten sie Informationen zu verschiedenen suchtrelevanten Themen.
00:00:57: wie immer wertneutral und vorurteilsfrei
00:01:00: Ja und heute haben wir, wie auch schon in der letzten Folge angekündigt, wieder zwei ganz besondere Gäste eingeladen.
00:01:07: Marco Krasenbrinkt und Dominic Kleine Finke – unsere beiden Kollegen aus der Suchtberatungsstelle des Kreises Borken sind heute hier!
00:01:14: Herzlich willkommen ihr Zwei.
00:01:16: Hallo Danke für die Einladung.
00:01:18: Ja, schön dass ihr beiden heute hier seid und uns mit eurer Fachexpertise unterstützt.
00:01:22: Bevor Ihr Euch für die Zuhörenden nochmal genauer vorstellt wollen wir eine kurze Erklärung vorab geben Denn bisher haben wir unseren Blick hier v.a auf konsumierende junge Menschen geworfen Und darauf wie Erziehende eben mit diesen ins Gespräch gehen können und sie stärken können.
00:01:36: Eben sucht präventiv aktiv werden.
00:01:38: Heute verschieben wir unseren Blickwinkel ein bisschen.
00:01:41: Ja genau und das machen wir, weil wir eben genau wissen dass nicht nur wir Erwachsene unsere Kinder und Jugendlichen beim Aufwachsen ganz genau im Blick haben sondern eben auch Heranwachsende uns genau beobachten.
00:01:53: Wir sind eben immer Vorbilder auch wenn wir vielleicht keine sind.
00:01:58: also wir kommen nicht um die Frage herum welchen Umgang habe ich als erwachsene Person eigentlich selbst mit Suchtmitteln?
00:02:05: Und was lebe ich davor?
00:02:08: Und genau darüber sprechen wir heute mit euch, Marco und Dominik.
00:02:10: Stellt doch gerne einmal kurz vor!
00:02:13: Ja mein Name ist Dominik Kleine Finkel und ich arbeite als Sozialarbeiter in der Suchtberatungsstelle des Kreises Borgen.
00:02:25: Ihr seid ja quasi unsere Nachbarn hier im Kreishaus, weil wir alle auf einem Flur zu finden sind.
00:02:32: Wir freuen uns, dass wir euch heute mit unseren Fragen durchlöchern dürfen!
00:02:37: Ihr habt einiges an Informationen für uns mitgebracht und wir fangen einfach doch mal mit der ersten Frage direkt an – wer kommt eigentlich so alles überhaupt zu Euch in die Suchtberatungsstelle?
00:02:50: Ja, vorweg vielleicht.
00:02:51: der Name Suchberatungsstelle ist etwas unglücklich gewählt.
00:02:54: Man könnte auf die Idee kommen dass man sich nur melden darf wenn man sucht krank ist.
00:02:58: Das ist aber grundsätzlich nicht so.
00:03:00: Wir unterstützen alle erwachsenen Menschen im Umgang mit legalen Suchtmitteln wie zum Beispiel Alkohol Die sich Gedanken um ihren Umgang damit machen oder auch an ihrem exzessiven Verhalten leiden.
00:03:12: Viele der Ratsuchenden betrachten sich gar nicht als süchtig.
00:03:16: Andere haben schon eine Diagnose hinter sich oder sogar schon mal eine Behandlung in Anspruch genommen.
00:03:21: Neben Betroffenen selbst beraten wir aber auch Leute aus dem sozialen Umfeld, die sich Sorgen machen zum Beispiel Familienangehörige ,die sich sorgen um die beste Freundin Tante oder den Vater machen.
00:03:33: Okay, das heißt also man muss selbst gar keine eindeutig diagnostizierte Erkrankung haben oder überhaupt selbst betroffen sein um euer Beratungsangebote nutzen zu dürfen.
00:03:44: Also aus unserer Erfahrung heraus wissen das ganz viele gar nicht.
00:03:47: Ja ist genau richtig da stellen wir auch immer wieder fest Das ist keine Voraussetzung.
00:03:52: Was allerdings eine sein könnte wäre das Alter.
00:03:55: Wir beraten in der Regel keine Kinder und Jugendlichen.
00:03:58: Die meisten Ratsuchenden sind dementsprechend über achtzehn Jahre alt.
00:04:02: Das ist wieder ein Unterschied zur Beratungsstelle aus unserer letzten Folge mit Hilker Passmann.
00:04:08: Genau, jede Beratungstelle hat eigene Schwerpunkte.
00:04:11: Warum ihr in der Regel vor einem volljährige Person beratet?
00:04:14: Darüber sprechen wir später noch mal genauer.
00:04:17: Zuerst vielleicht die Frage warum kommen Menschen überhaupt zu euch in die Beratungen?
00:04:21: Was für Themen bringen sie somit?
00:04:22: Was taucht bei euch im Alltag auf?
00:04:25: Bei den Substanzen kommen die meisten wegen Alkohol ... oder wegen Medikamenten.
00:04:29: Die sind natürlich bei uns auch am meisten verbreitet und bei den Verhaltenzüchten ist Online-Glücksspiel ein großes Thema, aber inzwischen auch exzessiver Mediengebrauch oder Kaufsucht werden immer öfter benannt.
00:04:41: Ja, und das sind Themen die wir auch in der Suchtprävention immer im Blick haben.
00:04:45: Man könnte jetzt sagen wenn wir unseren Job gut machen dann landen bei euch vielleicht immer weniger Klientinnen und KlientInnen.
00:04:51: Grundsätzlich ist es so.
00:04:52: Alkohol ist ein Riesenthema.
00:04:53: Wir haben ja schon in der zweiten Folge drüber gesprochen.
00:04:56: Es ist verfügbar gesellschaftlich akzeptiert Und der Konsum von Alkohl Der ist wirklich fast überall sichtbar.
00:05:01: Jetzt bald startet ihr wieder die Schützenfest-Saison.
00:05:04: Da ist natürlich auch nochmal wieder ein Riesenthema.
00:05:06: Suchterkrankungen hingegen Die bleiben oft unsichtbar.
00:05:11: Da stelle ich mir vor, da ist das anders.
00:05:13: Trauen sich die Menschen bei euch direkt ganz offen darüber zu sprechen?
00:05:17: Also zu Beginn fällt es den Menschen auch bei uns nicht leicht aber wir haben den riesen Vorteil dass wir erst mal unbeteiligt sind und mit den Menschen in keinerlei Beziehung stehen.
00:05:26: Dadurch können wir natürlich wertfreier und neutraler zuhören, denn es spielen die diversesten und vielfältigsten Themen- und Hintergründe eine Rolle.
00:05:34: Wichtig ist es uns, dass wir Verhalten oder Geschichten Themen, die wir hören niemals bewerten, denn wir haben eine große Achtung davor wenn Menschen bereit sind Unterstützung anzunehmen.
00:05:47: Das ist auf jeden Fall ganz, ganz wichtig und gut.
00:05:50: Und wie sieht es jetzt nochmal aus?
00:05:51: Wenn wir zurückschauen auf die Themen der Beratung, ihr nennt da so Alkoholmedien, Glücksspiel – was ist denn eigentlich mit den illegalisierten also verbotenen Substanzen?
00:06:05: Wir beraten im Bezug auf legalisierte Substanzen und Verhaltensabhängigkeiten.
00:06:13: Die Drogenberatungsstellen, die beraten bei illegalisierten Substancen aber um das nicht unnötig kompliziert zu machen ruft einfach an wir finden da immer die richtigen Ansprechpersonen.
00:06:24: Was werden dann so zum Beispiel illegale Substanze die da reinfallen würden?
00:06:28: Zum Beispiel Kokain am Vitamine Aber auch Cannabis?
00:06:31: Das ist ja nur teilegalisiert Und wird daher weiterhin über die Drogen Beratung stellen mit beraten.
00:06:37: Und wenn jetzt jemand zu euch dann tatsächlich in die Suchtberatungsstelle kommt, was genau sind da so die Anliegen von Ratsuchenden?
00:06:45: Worüber sprecht ihr in der Beratung?
00:06:48: Ja das ist wirklich unglaublich vielfältig.
00:06:51: Manche wissen auch noch gar nicht, was sie von uns wollen.
00:06:53: Die haben irgendwie nur für sich gemerkt dass es so nicht weitergeht und Sie mit niemandem offen sprechen können.
00:06:59: Andere haben auch schon ganz konkrete Vorstellungen und ganz konkrete Themen.
00:07:02: Ich guck mal an den Kalender.
00:07:04: Gleich nach der Podcastaufnahme kommt zum Beispiel jemand, der alle paar Wochen kommt weil er seinen Alkoholkonsum reduzieren möchte.
00:07:11: Wir versprechen dann verschiedene Strategien und seine Erfahrungen mit den Strategien.
00:07:16: Und der möchte eben regelmäßig kommen, weil er sagt dann hat mein Vorsatz so eine gewisse Verbindlichkeit wenn ich weiß.
00:07:22: in drei Wochen bespreche ich wieder alles in der Suchtberatung.
00:07:25: Im Anschluss habe ich eine weitere Beratung mit der Mutter eines erwachsenen Kindes.
00:07:30: das ist alkoholkrank und nimmt schon Suchthilfenanspruch.
00:07:33: Die Mutter stellt aber fest, ich bekomme da gar keinen Einblick.
00:07:36: Mein Kind sagt nix und auch die Profis sind ja schweigepflichtig.
00:07:40: Die interessiert einfach wie läuft das so in der Beratung?
00:07:43: Was kann mein Sohn in Anspruch nehmen?
00:07:45: Und was kann ich als Mutter tun um da gut zu
00:07:47: unterstützen?".
00:07:49: Wir hören aber immer wieder dass es unverfänglich mit einer nebenbei platzierten Sportwerte angefangen hat und man sich nach einigen oder manchen Jahren zugestehen muss sondern misst!
00:07:59: Ich kann nicht zum ersten Mal meine Miete nicht mehr
00:08:01: zahlen.".
00:08:03: Vielen Dank für den Einblick in euren Arbeitsalltag und in diese speziellen individuellen Fälle, die ihr hier genannt habt.
00:08:10: Wie nehmt ihr die Radsuchenden denn so wahr?
00:08:12: Ich kann mir vorstellen, dass manche vielleicht lange überlegen und sich nach einer wirklich langen Zeit überlegen.
00:08:17: jetzt gehe ich in die Beratungsstelle.
00:08:19: wie tauchen die Menschen dann bei euch auf?
00:08:20: Wie nebt ihr die wahr?
00:08:22: Genau das kann wirklich jahrelang brauchen bis Leute den Mut und die Entschlossenheit haben sich bei uns zu melden.
00:08:28: Wir stellen fest, dass sie dann nach zwei Minuten im Gespräch aber in der Regel die Sorge verloren haben und dann ganz offen sprechen können.
00:08:36: Nicht selten auch sagen, dass Sie zum ersten Mal über das Thema sprechen – und totale leichtheit sind!
00:08:40: Dass Sie endlich mal alles rauslassen dürfen und sich mal sortieren dürfen.
00:08:44: Ja, du sagst gerade manchmal dauert es tatsächlich Jahre lang bis sich Menschen melden und sich jemandem anvertrauen.
00:08:52: Und ich glaube das liegt auch mit daran dass es immer noch viele Vorurteile und Vorverurteilungen gibt wenn es um Abhängigkeitserkrankung geht.
00:08:59: Ich glaube da wünschen wir uns doch alle ein gesamtgesellschaftliches Umdenken damit Menschen sich eben früher Trauen Unterstützung anzunehmen.
00:09:12: wie beispielsweise ein gebrochenes Bein.
00:09:15: Nur weil man es nicht sehen kann, heißt das nicht, dass es weniger belastend
00:09:18: ist.".
00:09:19: Ja auf jeden Fall.
00:09:20: und wie lange dauert dann so in der Regel eine Beratung bei euch oder anders gefragt?
00:09:25: Wie oft kommen die Leute so meistens zu euch?
00:09:29: Das ist auch vom Einzelfall abhängig.
00:09:31: wenn jemand nun mal eben anruft zwei drei Fragen hat und nach zehn Minuten die Antworten hat und glücklich ist, dann sieht man sich vielleicht nie mehr wieder total instabil fühlen und Angst vor einem Rückfall haben, denen es wichtig ist ein bis zweimal die Woche für eine Stunde in die Beratungsstelle zu kommen.
00:09:50: Das machen wir dann vom Einzelfall abhängig.
00:09:53: Wichtig ist einfach dass es kein Schema F gibt!
00:09:55: Wir stimmen mit den Ratsuchenden ganz individuell ab ob wir uns wieder sehen, in welchem Takt wir uns widersehen und was eben thematisiert werden soll.
00:10:04: Also ein bisschen nach dem Prinzip alles kann nichts muss?
00:10:07: Ja genau richtig.
00:10:08: Mir hat total cool, weil das ja auch sehr offen ist.
00:10:11: Viele fragen sich wahrscheinlich, wann ist denn jetzt der richtige Zeitpunkt?
00:10:14: Also, wann soll ich Kontakt aufnehmen?
00:10:16: Was würdet ihr sagen?
00:10:17: Wann sollte man spätestens Kontakt zu euch
00:10:18: aufnehmen?".
00:10:20: Ein guter Zeitpunkt ist es einfach dann zu melden wenn man überlegt ob man sich mal melden sollte.
00:10:25: Es kann ja im Grunde gar nicht so früh sein.
00:10:27: Wir haben noch niemanden ausgeschimpft Weil wir gesagt haben Ist noch nicht schlimm genug.
00:10:31: Ganz im Gegenteil, wenn Leute sich früher melden dann kann man häufig schon mit relativ geringen Mitteln wieder für Stabilität und Sicherheitssorgen.
00:10:40: Wir erleben gerade im digitalen Zeitalter das viele Menschen dazu neigen erst mal im Internet nach Antworten zu suchen.
00:10:46: auch dann wäre es deutlich hilfreicher sich schon an uns zu wenden aus dem Grund dass wir eben viel individueller auf die Menschen eingehen können und eben das Hilfesystem kennen.
00:10:55: Das ist in der Regel deutlich hilfreicher als irgendein Selbsttest.
00:11:00: Und seit ihr dann neben dem klassischen, ich frag mal Google für viele Menschen auch die allererste Anlaufstelle?
00:11:07: Häufig ja.
00:11:09: Klassische Erstanlaufstellen sind Hausarzt, Selbsthilfegruppe oder eben die Suchtberatungsstelle.
00:11:15: Andere Menschen kommen aber auch zu uns wenn sie schon verschiedene Hilfen durchlaufen haben.
00:11:20: Schonmal in der Selbsthilfegruppe waren oder sogar mal Therapie gemacht haben und einfach nochmal neu anfangen wollen oder eine andere Hilfe ausprobieren wollen oder eben auch glauben, dass sie totale hoffnungslose Fälle sind und sich so ein bisschen selbst aufgegeben haben.
00:11:35: In der Regel gibt es aber immer Möglichkeiten wie man noch mal Bewegung reinbringen
00:11:38: kann.
00:11:40: Ja, total wichtig.
00:11:40: Weil das noch mal zeigt dass ja wirklich jeder in die Beratung kommen kann jede Person unabhängig davon welcher Zeitpunkt was schon gemacht wurde was noch nicht gemacht wurde.
00:11:50: Ich finde es total schön zu sehen und ich glaube das kann dem ein oder anderen Zuhören dann vielleicht nochmal Mut machen denn Es kann sich immer lohnen nochmal den Kampf anzugehen und eine beratung wahrzunehmen.
00:12:00: Ja Lea, wo du gerade von unseren Zuhörenden sprichst.
00:12:03: Wenn wir hier nochmal auf unsere Zielgruppe auch hier für diesen Podcast schauen nämlich Erziehende gibt es bei euch eigentlich auch ein spezielles Angebot für Erziehnde?
00:12:14: Also wenn Eltern sich sorgen um einen möglichen Suchtverhalten ihrer minderjährigen Kinder machen dann verweisen wir in der Regel erstmal an die Erziehungsberatung stellen.
00:12:23: und warum macht da eurer Meinung nach der Kontakt zur Erziehung beratungs Stelle dann eher Sinn?
00:12:29: Wir beraten ja in der Regel bei den legalisierten Substanzen, meinetwegen Alkohol oder bei Verhaltenssüchten zum Beispiel Gaming.
00:12:37: Und in diesem Bereich dauert es sehr viel länger bis eine Abhängigkeit entstanden ist wie beispielsweise bei illegalen Suchtmitteln.
00:12:45: und darum sind Eltern in der Regel besser beraten wenn sie versuchen dem Verhalten der Kinder pädagogisch zu begegnen und auch auf die Expertise von den Erziehungsberatungsstellen zurückgreifen als wenn man da in der Logik der Suchtkrankenhilfe denkt, wo es dann schnell um Therapie oder Entgiftung geht.
00:13:02: Wir wägen aber jeden Einzelfall ab.
00:13:04: Gerade bei medikamentenabhängigen Kindern sind wir dann eben doch sehr schnell im Bereich von Entgiften und Therapie weil Medikamente eben sehr schnell und sehr stark abhängig machen.
00:13:14: Aber wie immer im Zweifelsfall anrufen – wir finden da die richtigen Ansprechpartner.
00:13:20: Wenn sich Eltern aber Sorgen wegen dem Verhalten ihrer Erwachsenen Kinder machen, dann beraten wir diese im Rahmen unserer angehörigen Beratung.
00:13:27: Das hat den Hintergrund dass wir davon ausgehen das man erwachsene Menschen eben nicht mehr erzieht.
00:13:34: Das heißt, die unterscheidet zwischen Eltern minderjähriger Kinder und Eltern von erwachsenen Kindern.
00:13:42: Und Eltern von Erwachsenen werden dann quasi ganz normal wie Angehörige behandelt also wie Freundinnen, Partner oder Partnerin andere Verwandte.
00:13:49: habe ich das richtig verstanden?
00:13:50: Ja genau!
00:13:51: Ein anderes großes Thema ist dass erziehende selbst ein Thema mit Substanzkonsum oder exzessiven Verhalten wie zum Beispiel Spielsucht haben.
00:13:59: nur weil man Kinder hat ist man ja nicht davor gefallt auch in einer Abhängigkeit zu geraten.
00:14:04: Wir haben auch viele Elternteile, die aufgrund des enormen Drucks von Kindern, Haushalt, Beruf und so vielen weiteren Themen derer zu kämpfen haben.
00:14:12: Dass der Eindruck entsteht, dass der Alltag nur noch mit Suchtmitteln bewerkstelligt werden kann.
00:14:17: Dass man darüber versucht, dringend benötigte Auszeiten zu schaffen, die beispielsweise in einer Spielhalle oder an der Theke stattfinden können.
00:14:27: Ja das ist ja jetzt quasi genau das Thema des Podcasts oder der Folge heute.
00:14:32: Es geht eben um Erziehende, die auch suchtkrank werden können.
00:14:36: Nina da haben wir noch ein paar Fragen zu oder?
00:14:38: Ja zum Beispiel die allererste Frage, die mir direkt in den Kopf kommt ist ... Die Elternpaare?
00:14:44: kommen die dann in der Regel zusammen zu euch in die Beratung?
00:14:47: Oder ja die Einzelperson?
00:14:50: Es kann vorkommen dass die Eltern gemeinsam kommen.
00:14:53: In der Regel kommt aber erst der eine Elternteil auf uns zu Weil er bemerkt das beim Partner oder bei der Partnerin etwas zu entgleisen droht Und das Thema ist dann zwischen den Eltern häufig gar nicht richtig zu besprechen und endet in Ablehnung oder gegenseitigen verbalen Verletzungen.
00:15:09: In dem Fall unterstützen wir gerne, dass ein Gespräch wieder möglich ist – wenn das nicht der Fall sein sollte arbeiten wir andere Perspektiven!
00:15:17: Ich kann mir jetzt vorstellen, dass Erziehende sich vielleicht auch fragen, was passiert wenn ich in die Beratung gehe.
00:15:22: Kann das negative Konsequenzen nach sich ziehen?
00:15:25: Dass damit eine Sorge und Angst eingeht gerade, wenn man zum Beispiel befürchtet könnte ich Probleme mit dem Jugendamt bekommen oder ähnliches.
00:15:33: Wie ist das?
00:15:33: Kann so etwas passieren?
00:15:36: Nein!
00:15:36: Das würde weder unserer Schweigepflicht noch unsere Berufshaltungen entsprechen.
00:15:41: Einmal wissen wir, dass jeder von uns in eine Sucht hereinsteht.
00:15:45: Jeder hat das recht auf eine anständige Unterstützung und Beratung.
00:15:49: Wir selbst haben erst mal riesen Respekt davor wenn sich Leute melden gerade mit Kindern weil ja das Thema Schuld und Scham ist halt ein großes.
00:15:56: Und wer da seine Angst überwunden hat unsere mutig es sich Hilfe zu holen der müsste eigentlich einen Orden bekommen Und niemand soll hier einen Nachteil befürchten.
00:16:05: Das wäre ja irrsinnig eine suchtberatungen anzubieten klingelt das Telefon, weil Arbeitgeber oder Jugendamt eine Info bekommen haben.
00:16:14: Das passiert einfach
00:16:15: nicht.".
00:16:16: Und um das noch mal ganz klar zu sagen Wir dürfen keine Informationen an Dritte weitergeben wie dem Jugendamt, dem Arbeitgever, Familienangehörigen der Führerscheinstelle, dem Hausarzt, dem Jobcenter und auch so vielen anderen.
00:16:30: Okay also ich habe klar verstanden ohne Absprache wird hier nichts an irgendwem weitergegeben.
00:16:36: Das dürft ihr einfach gar nicht.
00:16:38: gibt es denn aber auch Fälle, in denen es sich vielleicht sogar als hilfreich herausstellt.
00:16:43: Andere Stellen mit einzubeziehen?
00:16:46: Ja die gibt's.
00:16:47: manchmal können wir bestimmte Sachen gar nicht bedienen.
00:16:50: beispielsweise bei einer Schuldenproblematik würden wir an die Schuldnerberatungsstelle vermitteln und wenn spätestens wenn eine Therapie beantragt werden soll dann braucht man eben auch beispielsweise die Kosten zu sage der Rentenversicherung oder Krankenkasse.
00:17:05: Das sind aber Sachen, die den Leuten nie aufgedrückt werden.
00:17:07: Sondern die würden immer informiert werden was an welcher Stelle Sinn machen könnte und dann entscheiden sie ob Sie den Schritt gehen wollen oder
00:17:15: noch nicht.
00:17:16: Ja und wer besonders skeptisch ist der kann sich immer noch Anonym an uns wenden.
00:17:20: also dann wissen wir halt den Namen nicht oder einigen uns auf dem Pseudonym.
00:17:24: Mir ist das erstmal egal ob ich mit Mickey Mouse oder Thomas Müller spreche.
00:17:28: wichtig ist dass die Person Hilfe bekommt und ihre Optionen kennt.
00:17:33: Okay, also ganz klar heißt das.
00:17:35: Man muss nichts preisgeben was man nicht teilen möchte.
00:17:38: Beratung ist da ganz offen alles kann und nichts muss.
00:17:43: Ja jetzt hast du Dominic grad noch mal gesagt man kann auch anonym mit euch in den Kontakt kommen.
00:17:47: auf welchem Weg suchen die Leute denn den Kontakt?
00:17:50: wie melde ich mich bei euch?
00:17:52: Die meisten melden sich erst telefonisch oder per mail Und vereinbaren dann ein persönliches beratungsgespräch hier unter vier augen.
00:17:59: dass es quasi der klassiker Wir erzählen den Leuten, dass wir kostenlos beraten.
00:18:05: Dass die auch die Möglichkeit haben auf Wunsch anonym zu kommen.
00:18:10: Die Beratung findet in der Regel vor Ort statt?
00:18:12: Aber was ist jetzt wenn ich sage, ich möchte nicht ins Kreis rauskommen?
00:18:15: Vielleicht bin ich auch nicht mobil und kann gar nicht vor Ort sein!
00:18:19: Was passiert dann?
00:18:21: Das sind häufig einige Fälle wo man nachvollziehen kann das es den Ratsuchenden lieber ist nicht persönlich zu kommen Wie du das schon sagtest, es kann irgendwie sein dass man nicht mobil ist.
00:18:31: Es kann aber auch sein, dass man scheu hat das Kreishaus zu betreten.
00:18:34: zu diesem Thema.
00:18:35: Wichtig ist so wissen, dass wir in diesen Fällen auch telefonisch per E-Mail oder auch per Videokonferenz zur Verfügung stehen.
00:18:42: alles wieder nach dem Motto Hauptsache die Leute bekommen die Informationen die sie im Moment brauchen.
00:18:48: Das hört sich wirklich nach ganz vielfältigen Zugangsmöglichkeiten für euer Beratungsangebot an.
00:18:55: Generell gibt es ja neben eurem Beratungssangebot in der Suchthilfe noch ganz viele weitere Unterstützungsmöglichkeiten, für Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen – da kann man doch auch durchaus schon mal den Überblick verlieren oder nicht?
00:19:10: Ja komplett!
00:19:11: Gerade wenn Leute mal vorher im Internet geschaut haben, die Stoßen auf ambulante Beratungsstellen.
00:19:18: Stationäre Therapien, ambulante Therapien eine Mischung aus allem Suchtselbsthilfegruppen.
00:19:24: Da kann man hervorragend den Überblick verlieren und von der Fülle an Infos total erschlagen werden.
00:19:29: Aus meiner Sicht macht es da mehr Sinn in einer Beratungstelle anzurufen und zu erfragen was gibt's vor Ort?
00:19:35: Und was wäre in meinem Fall vielleicht sinnvoll um vielleicht auch weniger geeignet?
00:19:39: Ja also richtig schön finde ich, dass die Ratsuchenden dann eben einen Überblick bekommen.
00:19:43: und natürlich ist es verwirrend wenn das Suchthilfesystem so riesig ist.
00:19:46: Und gleichzeitig ist es natürlich total wertvoll, dass das Suchthilfsystem so riesig ist weil es halt wirklich für jeden oder für jede Person hoffentlich die passende Stelle gibt.
00:19:55: Genau!
00:19:56: Und ihr seid eben eine dieser Stellen.
00:19:58: und wo genau gehe ich denn jetzt hin?
00:20:01: Wir haben schon öfter vom Kreishaus gesprochen findet da auch die Beratung statt?
00:20:05: Ja genau, unsere Büros finden sich hier im Kreishaus.
00:20:08: Da der Kreis morgen aber auch etwas größer ist, ist die Suchthilfe in Gänze dezentral organisiert.
00:20:14: Es gibt noch weitere Sucht- und Drogenberatungsstellen in Ahrhaus, Boholt oder Gronau.
00:20:19: Ganz genau!
00:20:20: Und diese Drogen- und Suchtberatungstellen findet ihr bei uns in den Shownotes und zusätzlich natürlich auch den Kontakt von Marco und Dominik.
00:20:27: Wir haben eine letzte Frage an euch Was ist euch jetzt hier nochmal besonders wichtig?
00:20:33: Also was sollen die Zuhörenden aus dieser Folge mitnehmen.
00:20:37: Jeder, der sich bei uns oder auch bei den anderen Beratungsstellen meldet dem Gebüt erstmal allergrößter Respekt auch von den Beratern und Beraterinnen.
00:20:45: Ich hoffe das merkt man dann auch in einer Beratung dass man wirklich im Setting ist wo Leute nicht vorverurteilen
00:20:51: und wo
00:20:52: Leute große Lust haben zu beraten und Hilfe und Unterstützung anzubieten
00:20:57: Und vor allem Hilfe anzunehmen ist etwas, was man seinen Kindern vorleben sollte.
00:21:03: Ja das ist an der Stelle nochmal ein sehr schöner Abschlusssatz.
00:21:07: da bleibt uns nur noch Danke zu sagen!
00:21:09: Marco und Dominik vielen Dank dass ihr euch hier heute die Zeit mit uns genommen habt ja auch unsere Fragen zu beantworten.
00:21:17: Ja sehr gerne Vielen Dank für die Einladung.
00:21:19: Danke hat Spaß gemacht.
00:21:21: Ja, vielen Dank auch von meiner Seite.
00:21:22: Ich glaube wir haben einen sehr umfangreichen Blick nochmal auf das Thema der Suchterkrankung erhalten.
00:21:27: Sollten Sie in unsere letzte Folge noch nicht reingehört haben, tun sie das gerne denn da haben wir mit Hilka Passmann über das Thema Abhängigkeitserkrankungen bei Jugendlichen gesprochen.
00:21:37: Ja, und damit entlassen wir euch und auch unsere Zuhörenden hier heute aus dieser Folge.
00:21:43: Sollten Sie zu Hause noch Fragen zum Thema Suchterkrankteeltern oder Anregungen zu weiteren Podcast-Themen haben, kontaktieren sie uns gerne persönlich unter suchtvorbeugung adkreis-borken.de.
00:21:56: Auch diesen Link finden Sie bei uns in den Shownotes.
00:21:59: Weitere Informationen finden Sie auf der Webseite die Adresse dazu ebenfalls in den shownotes.
00:22:04: Ja, vielen Dank wieder mal fürs Zuhören.
00:22:06: Wir freuen uns wenn Sie auch bei der nächsten Folge wieder dabei sind!
00:22:10: Ja und bis dahin bleiben sie wie immer aufmerksam.
00:22:13: Tschüss!
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